Heizperiode in der Mietwohnung: Zeitraum, Regeln, Ausnahmen
Kein Gesetz, trotzdem ein fester Zeitraum
Viele suchen nach dem Paragrafen zur Heizperiode. Es gibt keinen. Weder das BGB noch eine Verordnung legt fest, ab wann der Vermieter die Heizung einschalten muss. Der Mieterverein München formuliert es so: Mangels gesetzlicher Regelung zählt zuerst, was im Mietvertrag steht.
Steht dort nichts, greift die Rechtsprechung. Gerichte gehen dann von diesem Zeitraum aus:
| Übliche Heizperiode | |
|---|---|
| Beginn | 1. Oktober |
| Ende | 30. April |
| Dauer | 7 Monate |
Diesen Zeitraum vereinbaren nach Beobachtung des Mietervereins Leipzig auch viele Mietverträge für Häuser mit zentraler Heizanlage.
Der Deutsche Mieterbund spricht davon, dass die Heizperiode spätestens am 1. Oktober beginnt. Das Wort “spätestens” ist wichtig. Früher anfangen darf und muss der Vermieter, wenn es vorher schon kalt wird.
Woher die Heizpflicht eigentlich kommt
Die rechtliche Grundlage ist allgemeiner, als man denkt. Nach § 535 BGB muss der Vermieter die Wohnung während der gesamten Mietzeit in einem Zustand halten, in dem du sie vertragsgemäß nutzen kannst. Eine Wohnung, in der du im November bei 15 Grad sitzt, erfüllt das nicht. Die Heizperiode ist also nur die Faustregel dafür, wann dieser Zustand normalerweise eine laufende Heizung braucht.
Daraus folgt: Der Kalender ist nicht das letzte Wort. Entscheidend ist, ob es in der Wohnung warm genug wird.
Was während der Heizperiode gilt
Der Deutsche Mieterbund nennt für die Zeit von 6 bis 24 Uhr mindestens 20 bis 22 Grad. Nachts darf die Anlage absenken, etwa auf 18 Grad. Der Mieterverein München legt den Tag etwas kürzer, von 6 bis 23 Uhr. Wie genau diese Werte zustande kommen und welche Vertragsklauseln unwirksam sind, steht im Artikel zur Mindesttemperatur in der Wohnung.
Wichtig für dich: Das ist das, was die Heizung können muss. Wie warm du es tatsächlich machst, entscheidest du selbst. Eine allgemeine Pflicht, selbst zu heizen, hast du laut Mieterbund nicht. Du musst nur verhindern, dass die Wohnung so stark auskühlt, dass Schäden entstehen, und bei niedrigen Temperaturen öfter lüften.
Heizen außerhalb der Heizperiode
Ein kalter September oder ein verregneter Mai kommen vor. Dann hilft dir der Kalender nicht, das Mietrecht schon. Die Gerichte haben dafür zwei Maßstäbe entwickelt:
- Außentemperatur: Das Amtsgericht Uelzen hat am 9. April 1986 (Az. 4a C 272/86) entschieden, dass geheizt werden muss, wenn die Außentemperatur drei Tage lang unter 12 Grad liegt. Diese Regel zitieren der Mieterverein Leipzig und der Verband wohnen im eigentum.
- Innentemperatur: Der Mieterverein zu Hamburg setzt an der Wohnung an. Der Vermieter muss spätestens heizen, wenn es tagsüber in den Zimmern unter 18 Grad kalt wird und absehbar ist, dass das kühle Wetter einige Tage anhält.
Ein einzelner kühler Morgen reicht also nicht. Eine Kältephase über mehrere Tage schon.
So gehst du vor, wenn die Heizung noch aus ist
- Temperatur messen. Mehrmals täglich, in der Zimmermitte, mit Datum und Uhrzeit. Der Mieterverein zu Hamburg empfiehlt genau diese Dokumentation.
- Prüfen, ob es nur an dir liegt. Wenn andere Wohnungen warm sind und bei dir ein Heizkörper kalt bleibt, ist es vermutlich kein Thema der Heizperiode. Dann hilft der Artikel Heizkörper wird nicht warm.
- Vermieter informieren. Nach § 536c BGB musst du einen Mangel unverzüglich melden. Schriftlich, mit deinen Messwerten und der Bitte, die Heizung einzuschalten.
- Nicht selbst an der Zentralheizung schalten. Die Anlage im Keller ist Sache des Vermieters oder eines Fachbetriebs.
Ist es im September schon kalt und die Zentralheizung noch aus, zeigt der Heizlüfter-Rechner, was das Überbrücken mit Strom pro Tag kostet.
Bleibt die Wohnung trotz Meldung kalt, kann eine Mietminderung in Betracht kommen. Wie das abläuft und welche Risiken es gibt, erklärt der Artikel zur Mietminderung wegen der Heizung. Bevor du weniger Miete überweist, lass dich beim örtlichen Mieterverein oder der Verbraucherzentrale beraten.
Häufige Fragen
Wie viel Miete kann ich mindern, wenn die Heizung in der Heizperiode nicht läuft?
Eine feste Quote gibt es nicht. Der Deutsche Mieterbund nennt als Beispiel 20 bis 30 Prozent, wenn die Wohnung nur 16 bis 18 Grad warm wird. Das ist eine Einzelfallentscheidung. Vorher musst du den Mangel melden, und bevor du weniger zahlst, lass dich beim Mieterverein oder der Verbraucherzentrale beraten.
Gilt die Heizperiode auch bei einer Gasetagenheizung?
Kaum. Die Heizperiode regelt, wann der Vermieter eine zentrale Anlage für alle einschaltet. Der Mieterverein Leipzig bezieht die übliche Vertragsklausel ausdrücklich auf Gebäude mit zentraler Heizanlage. Mit eigener Therme schaltest du selbst ein, wann du willst. Der Vermieter muss nach § 535 BGB dafür sorgen, dass das Gerät funktioniert.
Kann der Mietvertrag eine kürzere Heizperiode festlegen?
Der Mietvertrag kann Beginn und Ende regeln, denn ein Gesetz gibt keinen Zeitraum vor. Er kann den Vermieter aber nicht davon befreien, die Wohnung in einem bewohnbaren Zustand zu halten. Dazu gehört bei Kälte eine funktionierende Heizung, auch wenn das Datum im Vertrag noch nicht erreicht ist.
Gilt die Heizperiode auch für Warmwasser?
Die Heizperiode betrifft die Raumheizung. Für Warmwasser nennt der Mieterverein München einen eigenen Maßstab: 45 Grad an Küche und Bad, spätestens nach etwa 10 Sekunden Zulauf.
Quellen
- Deutscher Mieterbund: Heizperiode gestartet
- § 535 BGB: Inhalt und Hauptpflichten des Mietvertrags
- § 536c BGB: Mängelanzeige durch den Mieter
- Mieterverein München: Am 1. Oktober beginnt die Heizsaison
- Mieterverein zu Hamburg: Heizen außerhalb der Heizperiode
- wohnen im eigentum: Heizperiode, was Vermieter wissen müssen
- Mieterverein Leipzig: Ende der Heizperiode, Heizpflicht des Vermieters besteht wegen niedriger Temperaturen weiter (2021)
Die Paragrafen dazu
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